Die Wärmepumpe hat sich in wenigen Jahren vom Nischenprodukt zur meistinstallierten Heiztechnologie im Neubau entwickelt. Nach dem Rekordjahr 2023 mit 356.000 verkauften Geräten und einer vorübergehenden Marktberuhigung 2024 zeigt der langfristige Trend klar nach oben. Natürliche Kältemittel, KI-gesteuerte Regelungen und Hochtemperatur-Modelle für den Altbau machen die Wärmepumpe fit für die Zukunft.
Wärmepumpen-Markt 2026: Zahlen und Trends

Der deutsche Wärmepumpenmarkt hat in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Dynamik erlebt. Nach dem Allzeithoch von 356.000 verkauften Wärmepumpen im Jahr 2023 folgte 2024 mit rund 193.000 Geräten eine deutliche Konsolidierung. Die Gründe: vorgezogene Käufe durch die GEG-Debatte, Verunsicherung bei Verbrauchern und gestiegene Zinsen für Baufinanzierungen.
Doch der Rückgang ist kein Trendbruch. Branchenexperten und der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) prognostizieren für 2025 und 2026 eine Erholung auf 250.000 bis 300.000 Geräte pro Jahr. Das Langfristziel der Bundesregierung bleibt ambitioniert: 500.000 Wärmepumpen pro Jahr bis 2030.
| Kennzahl | Wert (Stand 2024/2025) |
|---|---|
| Installierter Bestand in Deutschland | ca. 2 Mio. Wärmepumpen |
| Absatz 2023 (Rekordjahr) | 356.000 Geräte |
| Absatz 2024 | ca. 193.000 Geräte |
| Prognose 2025/2026 | 250.000 – 300.000 pro Jahr |
| Marktanteil im Neubau | über 50 % |
| Anteil Luft-Wärmepumpen | ca. 85 % |
| Ziel Bundesregierung bis 2030 | 500.000 Geräte pro Jahr |
Luft-Wärmepumpen dominieren den Markt
Mit einem Marktanteil von rund 85 % sind Luft-Wärmepumpen die mit Abstand beliebteste Bauart. Der Grund liegt auf der Hand: Sie benötigen keine Erdbohrungen, sind vergleichsweise günstig und lassen sich auch bei Sanierungen unkompliziert nachrüsten. Besonders Split-Geräte mit getrennter Außen- und Inneneinheit verzeichnen starke Zuwächse.
Erdwärmepumpen bleiben aufgrund höherer Installationskosten ein kleineres Marktsegment, punkten aber mit deutlich besserer Jahresarbeitszahl (JAZ) und niedrigeren Betriebskosten. Im Bestand machen Sole-Wasser-Wärmepumpen etwa 10–12 % aus, Grundwasserwärmepumpen verbleiben bei rund 3–5 %.
Neubau vs. Bestand
Im Neubau hat die Wärmepumpe die Gasheizung bereits als Standard abgelöst: Mehr als die Hälfte aller neuen Heizungen sind Wärmepumpen. Das große Wachstumspotenzial liegt jedoch im Gebäudebestand. Von den rund 21 Millionen Heizungen in Deutschland sind nur etwa 2 Millionen Wärmepumpen. Gerade für den Altbau entwickelt die Industrie deshalb gezielt neue Lösungen.
Technologie-Entwicklungen: Was kommt als Nächstes?
Die Wärmepumpe ist technologisch längst kein statisches Produkt mehr. Drei Entwicklungen treiben die Branche 2026 besonders voran.
Natürliche Kältemittel: R290 Propan setzt sich durch
Die wohl wichtigste technologische Neuerung der letzten Jahre ist der Umstieg auf das natürliche Kältemittel R290 (Propan). Der Hintergrund: Herkömmliche synthetische Kältemittel (sogenannte F-Gase) haben ein Global Warming Potential (GWP) von über 1.000. Propan dagegen kommt auf einen GWP-Wert von nur 3 — also nahezu klimaneutral.
Die EU-F-Gas-Verordnung verschärft seit 2024 schrittweise die Vorgaben. Ab 2027 dürfen Split-Geräte mit mehr als 3 kg Kältemittelfüllung nur noch Stoffe mit einem GWP unter 150 verwenden. Alle großen Hersteller — von Bosch über Vaillant bis Viessmann — haben deshalb R290-Modelle im Programm.
Gut zu wissen: Propan (R290) ist brennbar, wird aber in Wärmepumpen nur in sehr geringen Mengen (unter 500 g) eingesetzt. Moderne Sicherheitssysteme und Installationsstandards machen R290-Geräte genauso sicher wie herkömmliche Modelle.
Hochtemperatur-Wärmepumpen für den Altbau
Lange galt die Faustregel: Wärmepumpen brauchen Fußbodenheizung. Das stimmt so nicht mehr. Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen erreichen Vorlauftemperaturen von 70 bis 75 °C — genug, um auch klassische Heizkörper in unsanierten Altbauten zuverlässig zu versorgen.
Diese Geräte nutzen entweder kaskadierte Kältekreisläufe oder spezielle Kältemittel, um die höheren Temperaturen effizient zu erreichen. In Kombination mit einem hydraulischen Abgleich und dem Austausch einzelner unterdimensionierter Heizkörper ist der Einsatz einer Wärmepumpe in den meisten Bestandsgebäuden möglich — oft auch als Hybridsystem in Kombination mit einer bestehenden Gasheizung.
Ob sich eine Wärmepumpe für Ihr Gebäude rechnet, hängt von mehreren Faktoren ab. Unser Ratgeber Lohnen sich Wärmepumpen? hilft bei der Einschätzung.
KI und smarte Steuerung
Moderne Wärmepumpen werden zunehmend intelligent. KI-gestützte Regelungen lernen das Heizverhalten der Bewohner, berücksichtigen Wetterprognosen und optimieren den Betrieb automatisch. Das Ergebnis: höherer Komfort bei niedrigerem Stromverbrauch.
Besonders interessant ist die Kombination mit Photovoltaik und Batteriespeicher. Smarte Steuerungen erkennen, wann überschüssiger Solarstrom verfügbar ist, und erhöhen dann gezielt die Heizleistung oder laden einen Pufferspeicher. So steigt der Eigenverbrauch der PV-Anlage, und die Heizkosten sinken weiter.
Smart Grid Ready: Viele aktuelle Wärmepumpen tragen das Label „SG Ready". Das bedeutet, sie können Signale vom Energieversorger empfangen und ihren Betrieb an die Netzauslastung anpassen. Bei Stromüberschuss im Netz heizen sie günstiger — bei Engpässen drosseln sie den Verbrauch.
Auch die Kühlfunktion gewinnt an Bedeutung: Wärmepumpen können im Sommer die Raumtemperatur senken — passiv über Erdkollektoren oder aktiv durch Umkehrung des Kältekreislaufs. Angesichts zunehmender Hitzeperioden ein handfester Mehrwert.
GEG und Wärmepumpen: Was ändert sich ab 2026?
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist seit dem 1. Januar 2024 in Kraft und schreibt vor, dass neue Heizungen zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Die Wärmepumpe erfüllt diese Anforderung unmittelbar.

Die Umsetzung erfolgt gestaffelt:
- Seit 01.01.2024: Gilt für Neubauten in Neubaugebieten.
- Ab 01.07.2026: Großstädte (über 100.000 Einwohner) müssen kommunale Wärmeplanung vorlegen. Danach gilt die 65-%-Pflicht auch im Bestand, wenn die Heizung ausgetauscht wird.
- Ab 01.07.2028: Kleinere Gemeinden folgen mit eigener Wärmeplanung.
In der Praxis bedeutet das: Wer ab Sommer 2026 in einer Großstadt eine neue Heizung braucht, muss auf erneuerbare Energien umsteigen. Die Wärmepumpe ist dabei die meistgewählte Lösung.
Wichtig: Bestehende funktionierende Heizungen dürfen weiterbetrieben werden. Die GEG-Pflicht greift erst beim Austausch. Es gibt außerdem großzügige Übergangsfristen und Härtefallregelungen.
Förderung bleibt attraktiv
Die staatliche Förderung federt die Investitionskosten erheblich ab. Das aktuelle Programm der BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) bietet:
- 30 % Grundförderung für jede Wärmepumpe, die eine fossile Heizung ersetzt
- 20 % Geschwindigkeitsbonus bei frühzeitigem Austausch (vor Ablauf der Heizung)
- 5 % Effizienzbonus für Geräte mit natürlichem Kältemittel (R290) oder Erdwärmepumpen
- 30 % einkommensabhängiger Bonus für Haushalte mit Einkommen unter 40.000 Euro
In der Summe sind bis zu 70 % Förderung möglich, gedeckelt auf maximal 30.000 Euro förderfähige Kosten für ein Einfamilienhaus. Ergänzend bietet die KfW zinsgünstige Kredite für den Heizungstausch.
Einen vollständigen Überblick über alle Kosten und Preise einer Wärmepumpe finden Sie in unserem Kostenratgeber.
Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus und in der Fernwärme
Der nächste große Wachstumsschub wird aus dem Mehrfamilienhaussegment und der kommunalen Wärmeversorgung kommen. Hier liegt enormes Potenzial.
Wärmepumpen im Mehrfamilienhaus
Lange waren Wärmepumpen vor allem im Ein- und Zweifamilienhaus verbreitet. Inzwischen bieten mehrere Hersteller leistungsstarke Kaskadensysteme an, die auch größere Wohngebäude versorgen können. Dabei werden mehrere Wärmepumpenmodule zusammengeschaltet und bedarfsgerecht gesteuert.
Die Herausforderungen im Mehrfamilienhaus sind andere als im Eigenheim: unterschiedliche Nutzerprofile, höherer Warmwasserbedarf und oft begrenzte Aufstellflächen. Zentrale Luft-Wasser-Wärmepumpen mit Pufferspeicher oder dezentrale Wohnungsübergabestationen lösen diese Probleme zunehmend elegant.
Großwärmepumpen und kalte Nahwärmenetze
Großwärmepumpen mit Leistungen von mehreren Megawatt versorgen ganze Stadtquartiere oder werden in bestehende Fernwärmenetze integriert. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) forscht intensiv an der Einbindung industrieller Abwärme, Flusswasser und Geothermie als Wärmequellen für solche Anlagen.
Ein besonders zukunftsweisendes Konzept sind kalte Nahwärmenetze. Diese transportieren Wasser mit niedrigen Temperaturen (8–15 °C) zu den Gebäuden, wo dezentrale Wärmepumpen die Temperatur auf Heizniveau anheben. Die Vorteile: geringe Leitungsverluste, Möglichkeit zur sommerlichen Kühlung und einfache Integration erneuerbarer Wärmequellen wie Solarthermie oder saisonale Erdreichspeicher.
Praxisbeispiel: Zahlreiche Neubauquartiere in Deutschland setzen bereits auf kalte Nahwärmenetze. Die Bewohner heizen und kühlen mit dezentralen Wärmepumpen, die aus dem Netz gespeist werden — effizient, leise und nahezu emissionsfrei.
Weitere Technologietrends im Überblick
| Technologie | Beschreibung | Marktreife |
|---|---|---|
| Propan-Kältemittel (R290) | GWP von 3 statt über 1.000 bei F-Gasen | Verfügbar, stark wachsend |
| Hochtemperatur-WP (70–75 °C) | Versorgt Altbau-Heizkörper ohne Fußbodenheizung | Verfügbar |
| KI-gestützte Regelung | Selbstlernende Steuerung mit Wetterprognose | Verfügbar bei Premium-Modellen |
| Kalte Nahwärmenetze | Dezentrale WP mit zentralem Niedertemperaturnetz | Pilotprojekte und Neubauviertel |
| Saisonale Erdreichspeicher | Sommerliche Solarwärme für den Winterbetrieb nutzen | Forschung / erste Projekte |
| Großwärmepumpen (MW-Klasse) | Fernwärme-Integration mit Abwärme, Flusswasser oder Geothermie | Kommerziell verfügbar |
| WP + PV + Batteriespeicher | Maximaler Eigenverbrauch und minimale Heizkosten | Standardlösung im Neubau |
Häufige Fragen zur Zukunft der Wärmepumpe
Werden Wärmepumpen in Zukunft günstiger?
Ja, mittelfristig ist mit sinkenden Preisen zu rechnen. Steigende Produktionszahlen, mehr Wettbewerb durch asiatische Hersteller und die zunehmende Standardisierung der Installationsprozesse drücken die Kosten. Gleichzeitig bleibt die staatliche Förderung bis mindestens 2028 bestehen.
Lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau?
In den meisten Fällen ja — insbesondere mit den aktuellen Hochtemperatur-Modellen. Entscheidend sind der energetische Zustand des Gebäudes, die vorhandenen Heizkörper und die verfügbare Wärmequelle. Unser Altbau-Ratgeber geht auf alle wichtigen Punkte ein.
Welche Wärmepumpenart hat die beste Zukunft?
Luft-Wärmepumpen werden weiterhin den Massenmarkt dominieren. Erdwärmepumpen bieten jedoch langfristig die bessere Effizienz und sind dort die bessere Wahl, wo Bohrungen möglich und wirtschaftlich sinnvoll sind. Einen Vergleich der verschiedenen Wärmepumpenarten finden Sie in unserer Übersicht.
Was passiert mit meiner alten Gasheizung?
Funktionierende Gasheizungen dürfen weiterbetrieben werden. Die GEG-Pflicht greift erst beim Austausch. Eine sinnvolle Übergangslösung ist die Hybridheizung: Die Wärmepumpe übernimmt die Grundlast, der Gaskessel springt nur noch bei extremer Kälte ein.
Wie entwickelt sich der Strompreis für Wärmepumpen?
Viele Energieversorger bieten spezielle Wärmepumpentarife an, die 3–5 Cent/kWh unter dem regulären Haushaltsstrom liegen. Durch die Kombination mit einer eigenen PV-Anlage lassen sich die Stromkosten weiter senken. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) rechnet langfristig mit stabilen bis leicht sinkenden Strompreisen durch den Ausbau erneuerbarer Energien.
Fazit: Die Wärmepumpe ist die Heizung der Zukunft
Die Wärmepumpe hat sich als Schlüsseltechnologie der Wärmewende etabliert. Mit natürlichen Kältemitteln wird sie noch klimafreundlicher, mit Hochtemperatur-Technik erobert sie den Altbau, und mit intelligenter Steuerung arbeitet sie effizienter als je zuvor. Die politischen Rahmenbedingungen — GEG-Pflicht, attraktive Förderung und kommunale Wärmeplanung — sorgen für anhaltend hohe Nachfrage.
Ob im Neubau oder in der Sanierung: Wer heute in eine Wärmepumpe investiert, trifft eine zukunftssichere Entscheidung. Die Technik ist ausgereift, die Kosten sinken, und die Förderung macht den Umstieg so attraktiv wie nie.