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Wärmepumpe im Altbau: Was bei der Umrüstung im Gebäude Bestand zählt

Inhaltsverzeichnis:

Im ersten Halbjahr 2025 standen Wärmepumpen erstmals an der Spitze des deutschen Heizungsmarkts. Im Neubau sind sie längst Standard. Im Gebäudebestand halten sich dagegen Zweifel, ob diese Technik in unsanierten oder nur teilsanierten Häusern zuverlässig und wirtschaftlich arbeitet. Aktuelle Messdaten liefern hier eine klarere Basis als pauschale Faustregeln.

Infografik: Wärmepumpe im Altbau mit Jahresarbeitszahl, Vorlauftemperatur, Heizlast und hydraulischem Abgleich

Kurz zusammengefasst

Die Effizienz einer Wärmepumpe hängt im Altbau weniger vom Baujahr allein ab. Entscheidend sind die Heizlast, ausreichend große Heizflächen, eine niedrige Vorlauftemperatur und ein korrekt durchgeführter hydraulischer Abgleich.

Messdaten belegen, dass die Effizienz weniger vom Baujahr abhängt als von Planung, Auslegung und von der Temperatur, mit der das Heizsystem betrieben wird.

Was Feldstudien über Wärmepumpen im Bestand zeigen

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme hat über vier Jahre hinweg in 77 Anlagen in Einfamilien- bis Dreifamilienhäusern im Realbetrieb gemessen. Die in dieser Feldstudie des Fraunhofer ISE ermittelten Jahresarbeitszahlen lagen zwischen 2,6 und 5,4. Luft-Wasser-Geräte erreichten im Mittel eine JAZ von 3,4, erdgekoppelte Sole-Wasser-Anlagen 4,3.

Eine Abhängigkeit zwischen Gebäudealter und Effizienz ließ sich nicht beobachten. Die Jahresarbeitszahl (JAZ) beschreibt das Verhältnis zwischen der abgegebenen Wärme und dem eingesetzten Strom. Eine JAZ von 3,4 deutet darauf hin, dass aus einer Kilowattstunde elektrischer Energie etwa 3,4 Kilowattstunden Wärme generiert werden.

Im Vergleich zum Vorgängerprojekt aus dem Jahr 2019 haben sich die Werte deutlich verbessert, insbesondere bei den Luft-Wasser-Wärmepumpen, wo sie von 3,1 auf 3,4 gestiegen sind. Die CO2-Emissionen für das Jahr 2024, die zeitlich variabel berechnet wurden, lagen im Durchschnitt etwa 64 Prozent unter den Emissionen einer Erdgas-Brennwertheizung.

Ein weiteres bemerkenswertes Ergebnis dieser Untersuchungen zeigt, dass ausreichend dimensionierte Heizkörper mit ähnlich niedrigen Vorlauftemperaturen betrieben werden können, wie es bei Flächenheizungen der Fall ist. An sehr kalten Tagen trugen elektrische Heizstäbe im Durchschnitt lediglich etwa 1,3 Prozent zur elektrischen Energie bei.

Für diejenigen, die einen Wechsel zu einer Wärmepumpe in Essen in Erwägung ziehen, gibt es belastbare Hinweise, dass auch ältere Bestandsgebäude im Ruhrgebiet geeignet sein könnten, ohne dass eine umfassende Sanierung auf Neubaustandard erforderlich ist.

Heizlast, Vorlauftemperatur und hydraulischer Abgleich

Die Planung beginnt immer mit einer Heizlastberechnung gemäß der Norm DIN EN 12831. Sie ermittelt raumweise, wie viel Leistung in kW bei Norm-Außentemperatur nötig ist, um jeden Raum warm zu halten. Die Norm-Außentemperatur ist regional für jeden Standort vorgegeben. Dabei wird angenommen, dass keine solaren oder inneren Wärmegewinne eintreten. Damit stellt dieses Verfahren absichtlich einen Auslegungsfall für sehr kalte und trübe Tage dar.

Für Bestandsgebäude ist ein vereinfachtes Verfahren nach DIN EN 12831-1 zugelassen, wenn keine genauen Angaben zu Wandaufbauten, U-Werten oder Fenstern gemacht werden können. Pauschale Werte pro Quadratmeter haben nur zur ersten Orientierung Bedeutung. Ein unsanierter Altbau liegt zum Beispiel bei 100 bis 150 Watt/m², ein teilsanierter bei 60 bis 100, ein Neubau bei 40 bis 50. Die Berechnung kostet meist 500 bis 800 Euro und ist Voraussetzung für die Fördermittel über BEG, BAFA oder KfW.

Die zentrale Stellgröße für den Stromverbrauch ist die Vorlauftemperatur. Pro Grad weniger kann die Wärmepumpe ziemlich genau mit 2,5 Prozent weniger Strombedarf rechnen. Dann erfolgt auf Basis der Heizlast der hydraulische Abgleich, der jeden Heizkörper auf seine Durchflussmenge einstellt.

Erst dadurch arbeitet das System gleichmäßig mit niedriger Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf. Beides ist keine Formsache, sondern entscheidet darüber, ob die spätere Jahresarbeitszahl oben oder unten in der gemessenen Bandbreite landet. Eine Über- oder Unterdimensionierung führt dagegen zu Taktbetrieb, höherem Verschleiß und kann die Förderung kosten.

Welche baulichen Stellschrauben über die Effizienz entscheiden

Ob ein Altbau ohne große Eingriffe taugt, hängt in erster Linie von den vorhandenen Heizflächen ab. Reichen die dort vorhandenen Heizkörper bei niedrigerer Vorlauftemperatur nicht aus, lassen sich einzelne Räume mit größeren Flächen oder Niedertemperatur-Heizkörpern nachrüsten. Das ist meist preisgünstiger und einfacher umzusetzen als eine neue durchgehende Fußbodenheizung.

Eine teilweise Dämmung von Dach, oberster Geschossdecke oder Kellerdecke senkt die Heizlast und damit die erforderliche Vorlauftemperatur noch weiter ab. Wo das Sparkonto schmal ist, lohnt sich eine Priorisierung nach Wirkung pro Euro mehr als eine flächige Komplettsanierung.

Bei Luft-Wasser-Geräten kommt der Standort ins Spiel, denn die Schallemissionen müssen die Immissionsrichtwerte der TA Lärm an der nächsten schutzbedürftigen Bebauung einhalten. In eng besiedelten Stadtteilen mit knappen Grundstücksgrenzen ist dies ein handfestes Planungskriterium und kein Detail am Rande.

Wo eine Photovoltaikanlage vorhanden ist oder ergänzt wird, lässt sich ein Teil des Strombedarfs selbst decken, was Betriebskosten und CO2-Bilanz verbessert. Die Fraunhoferdaten zeigen in dieselbe Richtung: Planungs- und Hydraulikfehler sowie eine falsche Reglereinstellung mindern die Leistung deutlich mehr als das Baualter.

Schritte vor der Entscheidung

Bevor das erste Gerät ausgewählt wird, lohnt eine nüchterne Reihenfolge: Zuerst raumweise Heizlast bestimmen, dann mit den vorhandenen Heizflächen die minimal mögliche Vorlauftemperatur prüfen und erst danach die Anlage dimensionieren.

Wer diese Grundlagen klärt, bevor das erste Angebot angefordert wird, entscheidet auf der Basis belegbarer Zahlen und nicht auf Vermutungen über das Gebäudealter. Empfehlenswert ist ein Fachbetrieb im Bestand mit nachweisbaren Referenzen, der Heizlastberechnung, hydraulischen Abgleich und Förderantrag aus einer Hand abdeckt.

Hilfreich ist außerdem ein vorab erstellter Wärmepumpen-Check, der die zu erwartende Jahresarbeitszahl und die Stromkosten im späteren Betrieb schätzt. Das schafft zusätzliche Sicherheit und macht Angebote besser vergleichbar.

Hinzu kommt der gesetzliche Rahmen: Das Gebäudeenergiegesetz verlangt von neu eingebauten Heizungen einen Anteil von mindestens 65 Prozent an erneuerbaren Energien, was Wärmepumpen ohne weiteres erfüllen. Die Fördersystematik aus BEG-Grundförderung und möglichen Boni ist an genau jene Nachweise geknüpft, die ohnehin Teil einer sauberen Planung sind.

Eine gründliche Vorbereitung dient damit doppelten Zwecken: einem effizienten Betrieb und der Sicherung der Zuschüsse.

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